Se ma yesh

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Se ma yesh

Ausschnitt aus dem 32 min. Film

 

SE MA YESH (hebräisch “alles was man hat“) 2003/2011, 32min. Videoessay über das jiddische Sprichwort.    

Das Kulturamt Düsseldorf hat mich im Februar 2003 nach En Hod, einem Künstlerdorf in Israel, eingeladen.
Das jüdische Künstlerdorf liegt im Norden des Landes, an den westlichen Ausläufern des biblischen
Karmel Gebirges.     >>  More or less

Beim genauen Betrachten der jiddischen Sprache, fällt auf, aus wie vielen Sprachen sie sich zusammensetzt. So finden sich zum Beispiel Worte aus der polnischen, russischen, hebräischen und im weitaus größten Teil aus der deutschen Sprache. Dort hörte ich oft im politischen Zusammenhang den Ausspruch „se ma yesh“, was soviel bedeutet wie „mehr haben wir nicht“ oder „das ist alles was wir haben“. Das entsprach genau meinem Empfinden, als ich darüber nach dachte, was mich mit dieser Kultur verbindet. Was mich damit verbindet, ist diese Sprache und in kultureller Form, das Gedankengut ihre Sprichworte. Ich bin eingetaucht in diese Sprachwelt und habe Wurzen zu meiner eigen Kultur wieder gefunden, wieder entdeckt. Und die jiddische Sprache ist keine vergangene, verlorene Sprache mehr, sondern sie wird wieder in Schulen gelehrt.

Ich habe dort lebende Künstler gebeten, für mich ein jiddisches Sprichwort ihrer Wahl in jiddisch vorzulesen. Wichtig bei diesen Aufnahmen war mir die persönliche Umgebung der Person. Diese Aufnahmen habe ich kombiniert mit Landschaftsaufnahmen des biblischen Karmel Gebirges. Der Ausschnitt ist so gewählt, dass es immer einen Weg gibt, der durch das Bild führt. Wie Perlen auf eine Kette habe ich die Aufnahmen abwechselnd aneinander gereiht. Dadurch ergibt sich ein vielfältiges Bild von Individuen geerdet in diese Bergregion.

Die Verständlichkeit des einzelnen Sprichworts ist enorm wichtig, weshalb jedes für sich über den jiddischen Originalton hinaus in die deutsche Sprache übersetzt wird. Dem Betrachter fallen vertraute Sprichwörter auf, oder fremde, humorvolle und belehrende. Die Personen, die als Sprecher eines Sprichworts dienen, erscheinen den Betrachter als ein Vermittler einer Sprache und Kultur, die zum einen vertraut und doch fremd ist. Die Landschaftsaufnahmen, mit den durch sie hindurch führenden Wegen, sind Sinnbild für die Grenzenlosigkeit von Sprache.

In dem Video sind 31 Sprichwörter zitiert und 20 Personen zusehen.

Birgitta Thaysen